Im normalen Sprachgebrauch haben sich Wörter etabliert, die bei näherer Betrachtung vollkommen unsinnig sind. Sie setzen sich meist zusammen aus einem Adjektiv und einem Präsens-Partizip: z.B. naheliegend.

Eine Entscheidung ist naheliegend – ok. Soweit kann ich noch mitgehen.
Manche Entscheidungen liegen aber näher. Wenn man das ausdrücken will, wird daraus seltsamerweise naheliegender. Statt der Nähe wird also das Liegen gesteigert. Und das Liegen kann man noch weiter steigern: “Am naheliegendsten ist es, …”.

Der Bedeutung nach müsste eigentlich das Adjektiv gesteigert werden – anders kann es auch nicht sein. Naheliegend würde also gesteigert in näherliegend und nächstliegend: “Das Nächstliegende ist, …” Aber meistens lese ich naheliegender oder das Naheliegendste.

Das ist falsch – schon allein nach der Logik des Lebens: man kann liegen, und man kann schlafen, während man liegt. Aber man kann das Liegen selbst nicht steigern. Horizontaler als horizontal geht’s nicht.

Es gibt in der deutschen Sprache viele solcher Beispiele, und leider sind sie so etabliert, dass man sie nicht grammatikalisch richtig steigern kann, ohne überall Irritation hervorzurufen:

Schwerwiegend – wird leider nicht zu schwererwiegend oder schwerstwiegend, sondern zu schwerwiegender.

Leichtgängig – wird zu leichtgängiger, aber nicht zu leichtergängig.

Kleinmütig – müsste eigentlich zu kleinermütig werden – und zu kleinstmütig, wenn es im Superlativ steht.

Erfolgversprechend – da kann man eigentlich gar nichts steigern.

Doch wie soll man’s machen, wenn es überall so falsch gemacht wird, dass das Richtige komisch klingt?

Wenn ich eine Steigerung von naheliegend oder schwerwiegend brauche, vermeide ich diese Worte und drücke mich anders aus.

Wenn Sie wollen, können Sie mir weitere Beispiele schicken. :-)